Über den Tellerrand kochen: Syrien

Am 21.05. hatten Marcel und Kerstin Kessels aus Waldniel zu einem ÜberdenTellerrandkochen in ihr Haus eingeladen. Chefkoch war Ahmad Zachary Mustafa aus Damaskus, der seine Freunde Razan Al Khaldie und Hazem Hadidi mitgebracht hatte. Außerdem dabei ein weiteres syrisches Ehepaar – Amwar Tamin und seine Frau Shiraz. Die beiden waren extra aus Hardt gekommen – ÜberdenTellerrand Schwalmtal ist mittlerweile über unsere Ortsgrenze hinaus bekannt und begehrt. 🙂

Wir hatten traumhaftes Wetter, so dass wir die ganze Zeit draußen sitzen und essen konnten.

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Aber bis es soweit war, dass wir vor einem reich gedeckten Tisch mit allerlei syrischen Köstlichkeiten sitzen konnten, hatten wir erst noch einiges vorzubereiten. Fatush, Mutabal, Mariya und Kousa bi Laban sollte es geben. Dazu leckerer auf syrische Art zubereiteter Reis.

Zur Vorbereitung traf man sich dann doch im Haus – in der Küche werkelten die syrischen Männer.

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Alle anderen wurden von Chef Zachary mit den verschiedensten Vorbereitungen beschäftigt. Das erinnerte zuweilen jedoch eher an eine Bastelwerkstatt als an ein Kochevent.

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Vor allem das Aushöhlen der Zuccini für Kousa bi Laban (=mit Lammhack gefüllte Zucchini in gekochtem Joghurt) ohne geeignetes Werkzeug stellte die ÜdTk’ler vor eine Herausforderung. Aber einmal mehr bewahrheitete sich der Spruch: Not macht erfinderisch. Kreativ zweckentfremdete man Korkenzieher oder setzte sogar handfestes Werkzeug ein, dass von der letzten Renovierungsaktion im Haus der Gastgeber noch vorhanden war.

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Auf diese Weise wurden viele viele Zucchini ausgehöhlt – für jeden drei Stück! – und mit Lammhack gefüllt. Die frittierten Zucchinis wurden dann in einer Joghurtsauce gekocht und serviert. LECKER!

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Fatoush, ein gemischter Salat mit geröstetem Brot und Mutabal – eine Auberginencreme – entstanden ebenfalls in Gemeinschaftsarbeit und waren nicht nur lecker, sondern auch – wie viele Gerichte in der syrischen Küche – eine Augenweide. Ich bin sicher, dass unser Sprichwort: ‚Das Auge isst mit‘ syrischen oder arabischen Ursprung hat.

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Dazu gab es besonders gut schmeckend gewürzten Reis, den die Syrer gemeinsam mit Fadennudeln kochen. Das macht ihn besonders locker und gibt ihm eine interessante Färbung.

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Und wer jetzt schon denkt – meine Güte, das war aber viel, was dort serviert wurde, der war noch nie bei einem ÜberdenTellerrand-Event.  Denn es fehlt ja noch Mariya, was man auch ‚belegtes Brot“ nennen könnte, oder auch Sandwich, überbacken auf syrische Art. Mariya ist syrisches Brot, dünn gefüllt mit einer Lamm-Petersilie-Mischung, was dann im Ofen knusprig gebacken wird.

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Es schmeckt köstlich! Ich erzählte dem Koch ganz stolz, dass ich neulich auch Mariya gemacht hatte und zwar nach einem Rezept aus Fadis Kochbuch, das wir hier auch schon einmal vorgestellt haben.

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Und musste einmal mehr erfahren, wie klein die Welt doch ist. Zacharias Mustafa, studierter Touristikmarketingmanager (der übrigens gerne eine weitere Ausbildung im Hotelfach hier irgendwo zwischen Schwalmtal und Düsseldorf machen würde …) und Parttime-Koch in der Über den Tellerrand Community Schwalmtal kommt wie Chef Fadi Alauwad aus Damaskus und kennt ihn sogar persönlich.

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Wer dieses Kochbuch kauft, erhält nicht nur ein liebevoll gemachtes Buch mit lauter alltagstauglichen Rezepten aus Syrien, sondern tut auch gleichzeitig etwas Gutes. Denn der Erlös vom Verkauf dieses Buches geht vollständig an die Syrienhilfe e.V.

Nach etwa drei Stunden gemeinsamer Arbeit war unser Festmahl bereitet und der Tisch gedeckt.

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Wir aßen und schlemmten und redeten und lernten eine Menge voneinander. Da vor allem Zacharias nach nur sechs Monaten in Deutschland richtig gut Deutsch spricht, konnten wir uns auch schon richtig angeregt unterhalten. Wir erfuhren viel vom Leben in Damaskus, wir lernten einiges über die Motive der Gläubigen beim Ramadan und dass viele in Damaskus Bayern München Fans sind.

Am nachhaltigsten aber war wieder einmal das Gefühl zu erleben, dass Liebe durch den Magen geht und dass in einem guten Essen nach einem Rezept von der Oma ein Stück Heimat steckt. Zachary schreibt über sich selbst an anderer Stelle:

„My House has been Destroyed by a War,The Sea throw Me away,But my Soul still sleeping there. Syria.“

Lieber Zachary, das konnte man sehen, schmecken und spüren. Danke!

Danke auch an alle, die dabei waren. Und danke vor allem an Kerstin und Marcel Kessels für die bereits zweite Einladung zum ÜberdenTellerrandkochen in ihrem Haus.

 

 

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