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Mohammad Al-lami: Then and now

(Für die deutsche Version bitte nach unten scrollen.)

In what could be referred to as a touching moment when Mohammad Al-lami, an Iraqian told us his story (now and then) what it was and what it is now. Averagely ok in Iraq, Mohammad had to move away from his comfort zone in search of safety. A computer scientist by discipline and with unique qualities, Al-lami, prior to leaving Iraq was working as a scientist at the government office in his home country. As a scientist it is a very difficult situation. you cannot improve on yourself unless you have the permission he said. From F.A Brown.

Can we meet you?

IMG_5040I am Mohammad Allami from the Arabic speaking part of Iraq. 32 years old and a graduate computer science from the Al-Rafidain University College, Baghdad. Before2014 when It became very obvious that I have to get out of my home country, I was working with the Ministry of Justice. Before then, I had worked with with organizations and agencies including the USAID on Human Right project among others.

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Why the journey?

I had a big dream back then in Iraq but the story or let say those lovely dreams and aspirations are shattered now. As a scientist your aim is to be the best and beat the best. But how now? I left my country and am glad I did even though it is not a sweet story to tell. I just thank God first because at least I still have my life.

What where your goals before travelling or you just decide to go?

I had always wanted to do my masters or go further higher in my studies. If by chance I have the opportunity my priority is to further my education and have a real solid foundation. But then how do I do that? I can only pray and hope on God.

Why the choice of your new home, Germany?

Well my decision to go to Germany was simply because I have been here before on a working visit from my home country. I love the serenity of the environment. It’s peaceful and lovely. When the problem began in my country Iraq it was simple for me to choose my choice of destination.

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In a single word, how would you describe Germany?

Wonderful. It is really beautiful here even though for me as a migrant it is difficult and lonely.

Any significant cultural difference you have noticed?

So many differences in our culture and the German culture. German have so much respect for time. This act I love so much. also I see here that everyone have a bicycle and you can go everywhere with it including going to work or school. In Iraq only children ride bicycle. I love it when I see everyone both young and old riding. It’s fun. However, we have a culture in my country where we are always around friends and family but I don’t think that is part of German culture. This makes things a bit more difficult for foreigners like me.

What will you like to remember or see that you hold very dear?

I will be glad to see my family again and especially my lovely daughter. I saw her last one 16 months ago before I come to Germany.

How is your integration process? What is your status?

Just waiting and hoping.


GERMAN VERSION

Mohammad Al-lami:  Damals und jetzt

Es war ein als berührend zu bezeichnender Moment als Mohammad Al-lami, ein Iraker, uns seine Geschichte erzählte (damals und jetzt), wie es damals war und heute ist. Eigentlich ging es ihm ganz gut im Irak, aber dann musste Mohammad auf der Suche nach Sicherheit seine Komfortzone verlassen. Als ausgebildeter Computerfachmann arbeitete Al-lami in seinem Heimatland für eine Regierungsstelle als Informatiker, bevor er den Irak verließ. Für einen Wissenschaftler ist die Situation sehr schwierig, weil man sich ohne Erlaubnis beruflich nicht verbessern darf. Von F.A Brown.

Dürfen wir Dich kennenlernen?

IMG_5040Ich bin Mohammad Al-lami und komme aus dem arabisch sprechenden Teil des Iraks. Ich bin 32 Jahre alt und habe einen Hochschulabschluss der Al-Rafidain Universität, Baghdad, in Informatik. Vor 2014, als es sehr offensichtlich wurde, dass ich mein Heimatland verlassen muss, arbeitete ich für das Justizministerium. Davor habe ich mit unterschiedlichen Organisationen und Agenturen, unter anderem bei Menschenrechtsprojekten für USAID, gearbeitet.

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Warum hast Du Dich auf den Weg gemacht?

Damals im Irak hatte ich einen großen Traum, aber die Geschichte, oder besser gesagt, diese wunderbaren Träume und Ambitionen sind jetzt zerstört. Als Wissenschaftler ist es Dein Ziel, der Beste zu sein und die Besten zu schlagen. Aber wie soll das jetzt möglich sein? Ich habe meine Heimat verlassen und bin froh, dass ich es getan habe, obwohl es keine schöne Geschichte zu erzählen gibt. Zunächst danke ich Gott, weil ich wenigstens noch lebe.

Was waren Deine Ziele bevor Du Dich auf den Weg gemacht hast, oder hast Du dich einfach nur entschieden zu gehen?

Ich wollte immer meinen Master machen und in meinem Studium weiterkommen.  Falls ich die Möglichkeit bekommen sollte, wäre meine Priorität, mich weiterzubilden und mir ein solides Fundament zu schaffen. Aber wie soll ich das machen? Ich kann nur beten und auf Gott hoffen.

Warum hast Du Dir Deutschland als neue Heimat ausgesucht?

Also, meine Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, war einfach, weil ich schon einmal für einen Arbeitsbesuch hier war.  Ich liebe die Ruhe in meiner Umgebung, es ist friedlich und wunderbar. Als die Probleme in meiner Heimat Irak begangen, war es leicht für mich einen Zielort zu wählen.

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Wie würdest Du Deutschland mit einem Wort beschreiben?

Wunderbar, es ist wirklich wunderschön hier, obwohl es für mich als Migrant schwierig und einsam ist.

Hast Du irgendwelche signifikanten kulturellen Unterschiede bemerkt?

Es gibt viele Unterschiede zwischen unserer und der deutschen Kultur. Deutsche haben viel Respekt vor der Zeit, das gefällt mir sehr. Auch fällt mir auf, dass hier jeder ein Fahrrad hat und, dass man überall damit hinfahren kann, einschließlich zur Schule oder Arbeit. Im Irak benutzen nur Kinder ein Fahrrad. Ich mag es, alle – alt und jung – fahren zu sehen. Es macht Spaß. Allerdings ist die Kultur in meiner Heimat sehr familienorientiert, wir sind immer von Familie und Freunden umgeben. Ich glaube nicht, dass dies ein Teil der deutschen Kultur ist. Das macht es ein wenig schwieriger für Fremde wie mich.

Woran erinnerst Du Dich gerne, was ist Dir wichtig?

Ich werde mich sehr freuen, wenn ich meine Familie wiedersehe, besonders meine wunderbare Tochter. Ich habe sie zuletzt vor 16 Monaten gesehen, bevor ich nach Deutschland kam.

Wie geht es mit Deinem Integrationsprozess voran? Was ist Dein Status?

Einfach nur warten und hoffen.

Wohnkonzept für die dezentrale Unterbringung in Schwalmtal

Es ist lang, es ist ausführlich, es ist durchdacht – „das Wohnkonzept für dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Schwalmtal und angemessene  Wohnfläche pro Person mit dem Ziel, Flüchtlinge in Schwalmtal zu integrieren“, erarbeitet wurde es von Achim Schwabe vom Asylkreis Schwalmtal. [Die Artikelbilder dienen nur der Illustration, sie wurden nicht in der Gemeinde Schwalmtal aufgenommen.]

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1.    Aktuelle Situation

Die Schwalmtal zugewiesenen Flüchtlinge, aktuell ca. 425, sind vornehmlich in Gemeinschaftsunterkünften von unterschiedlicher Qualität untergebracht, eine kleinere Anzahl in Wohnungen.
Aufgrund der vielen Krisenherde in der Welt ist damit zu rechnen, dass, obwohl es im Moment  kaum zu Zuweisungen kommt, sich diese wieder deutlich erhöhen, weil vor allem die Grenze auf der Balkanroute abgeschottet ist und die Zuweisung momentan vor allem in die Großstädte erfolgt, die eine zu geringe Aufnahmequote haben. Unabhängig davon, ob das auf die Dauer gelingt, die Festung Europa zu halten, suchen sich jetzt bereits Flüchtlinge Alternativrouten.

Man darf auch nicht vergessen, dass wir mit einer deutlichen Zuweisung aufgrund des Familiennachzugs rechnen müssen, denn Flüchtlinge haben das Recht, dass die Kernfamilie der Kommune zugewiesen wird, wo der betroffene Flüchtling lebt, selbst, wenn sein Asylverfahren  noch nicht abgeschlossen ist. Das betrifft vor allem Familien, die getrennt geflohen sind oder die auf der Flucht getrennt wurden.

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Alle Flüchtlinge, die in Schwalmtal als Anerkannte leben, haben das Recht ihre Familie in einem Visumsverfahren nach Deutschland zu holen. Das gilt vor allem für Flüchtlinge, die nach § 16a) Grundgesetz und nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden. Hier ist auch im Gegensatz zu Flüchtlingen, die nur in den Genuss von Abschiebehindernissen gekommen sind, keine Voraussetzung, dass ausreichender Wohnraum vorhanden ist, und dass der anerkannte Flüchtling die Familie unterhalten kann. Grundlage hierfür ist das Grundgesetz, das Ehe und Familie schützt und in Bezug auf Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge die UN-Kinderrechtskonvention bzw. das Den Haager Minderjährigenabkommen. Bis zur Rechtskraft des Asylpakets II gilt das eingeschränkt auch für Flüchtlinge mit subsidiärer Anerkennung, denn es kann auf den Nachweis auf ausreichenden Wohnraum und ausreichendes Einkommen des subsidiär Anerkannten verzichtet werden. Dass dies bisher in Deutschland und damit auch in Schwalmtal kaum spürbar ist, hängt zum einen damit zusammen, dass die Asylanträge so zögerlich bearbeitet werden – es gibt Flüchtlinge, die bereits 1 ½ Jahre warten müssen, bevor sie zum Interview eingeladen werden. Wenn sie dann anerkannt sind, gibt es außerdem das Problem, dass die deutschen Botschaften und Konsulate Wartelisten haben, die bis zu 1 ½ Jahre betragen.

Der Asylkreis hat die Verwaltung seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass wir aufgrund der vielen Krisenherde in der Welt mit einer deutlichen Zunahme von Flüchtlingen rechnen müssen. Der genaue Zeitpunkt entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Der Asylkreis hat sich aufgrund der deutlich erhöhten Zuweisung, mit der zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr niemand gerechnet hatte,  damit einverstanden erklärt, dass die dezentrale Unterbringung für eine gewisse Zeit nicht umgesetzt wird, um die Menschen überhaupt unterbringen zu können. Wir haben auch einer Konzentrierung von einer hohen Anzahl von Flüchtlingen an zwei Standorten im Ortsteil Waldniel zugestimmt, weil nur dort so schnell zusätzliche Unterbringungskapazitäten geschaffen werden konnten.

Parallel dazu hat die Gemeindeverwaltung den Quadratmeterbedarf auf 4- 6 qm pro Person reduziert. Bei Neuanmietung von Wohnraum werden diese Werte zugrunde gelegt. Bei dem letzten Treffen zwischen Gemeinde, Asylkreis und Kath. Kirche wurden diese Angaben relativiert, indem aufgezeigt wurde, dass in vielen älteren Unterkünften mehr als 8 qm zur Verfügung stünden. Für das Projekt am Heiligenweg und die neuen Unterkünfte an der Dülkener Straße, auf dem Röslergelände bzw. Am Zoppenberg wurden keine Zahlen vorgelegt. Es ist unbedingt erforderlich, dass wir wieder zu annehmbaren Werten,  wenn auch schrittweise, zurückkehren.

Ein weiteres Argument der Gemeindeverwaltung zu Gunsten  großer Sammelunterkünfte  war, dass für die Verwaltung Gemeinschaftsunterkünfte weniger Zeitaufwand bedeuteten als Einzelwohnungen. Eine Begründung hierfür wurde nicht unterbreitet.

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Man darf auch nicht unterschlagen, dass es in Gemeinschaftsunterkünften nachvollziehbarer Weise zu mehr Konflikten der Bewohner untereinander kommt, was zusätzliche Verwaltungskapazität fordert und was ja auch zusätzliche Kosten für den Wachdienst an den Wochenenden verursacht. Als Argument,  keinen weiteren Wohnraum anmieten zu wollen, wurde auch damit begründet, dass es zu Konflikten mit dem JobCenter geführt hätte, weil deren Klientel auch auf billigen Wohnraum angewiesen sei. Die Ursache hierfür ist jedoch vor allem, dass Vermieter ungern an Harz IV-Empfänger bzw. an Klienten des Jugendamtes – auch das Jugendamt klagt darüber- vermietet. Das hängt mit der Gefahr zusammen,  dass Mieten deshalb nicht gezahlt werden, weil entweder die Harz IV- Leistungen nicht ausreichen oder dass das Geld für andere Dinge ausgegeben wird, ganz zu schweigen davon, dass vom Mieter verursachte Beschädigungen am Mietprojekt kaum einzuklagen sind.

Der Unterzeichner hat in der Bürgerfragestunde des Rates am 25.2.2016 dem Bürgermeister die Frage gestellt, warum die Gemeindeverwaltung die Unterbringung von Flüchtlingen nur kurzfristig von Jahr zu Jahr plant, was für alle Beteiligten immer wieder zu Stress und zu unbefriedigenden Lösungen führt.  Mit Hinweis auf die Haushaltssituation führte der Bürgermeister aus, dass die Gemeinde es sich nicht leisten könnte, Unterbringungskapazitäten anzumieten, die dann in einem Leerstand endeten. Eine Diskussion über dieses Thema war an diesem Punkt nicht möglich. Deshalb wurde dieses Papier formuliert, dass dann die Grundlage für das Gespräch mit der Gemeindeverwaltung am 15. März war.

2.    Historie

Als in den 90 er Jahren die Gemeinde Schwalmtal aufgrund des Krieges auf dem Balkan fast genauso hohe Zuweisungen wie in den letzten Jahren bekam, hat der Rat mit großer Mehrheit das „Schwalmtaler Modell“ verabschiedet.   Nur die FDP-Fraktion hat damals als einzige dagegen gestimmt. Der Gemeinderat war damals  der Meinung, dass die Aufgabe der Flüchtlingsaufnahme eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Gemeinde sei.

Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde zur Aufnahme von Flüchtlingen verpflichtet war, was im übrigem auch heute noch gilt, wurde folgendes beschlossen:

•    Sicherstellung der Betreuung durch Ehrenamtler unter Koordination einer Sozialarbeiterin
•    Förderung der Integration
•    Verteilung der Lasten in Bezug auf Unterbringung auf alle Bereiche der Gemeinde
•    Abweisung aller Bürgeranträge, die entweder eine Aufnahme generell ablehnen oder die die Notwendigkeit der Unterbringung zwar einsehen, aber nach dem St. Floriansprinzip die dafür vorgesehene Stelle ablehnen .

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In dem dezentralen Konzept wurden fast überall in der Gemeinde Container aufgestellt. Die Bewohner wurden durch ehrenamtliche Teams in Kooperation mit einer Sozialarbeiterin betreut. Schon damals initiierte der Asylkreis, dass Flüchtlinge vornehmlich in Wohnungen dezentral unterzubringen seien. Daraus ist dann das Mietshaus an der Heinrich-Jennissen-Straße entstanden, das noch heute bei den Flüchtlingen als Wohnung sehr beliebt ist. Dieses Modell (Gemeinde stellt das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung, Investor baut das Haus) ist auch für die heutige Situation eine Alternative. Nach Erinnerung des Verfassers ist das wohl auch die billigste Unterbringungsform, wenn man von den mietfreien Wohnungen Am Zoppenberg absieht.

Der Rat gab das Modell auf, als die Unterkunft am Vogelsrather Weg gegen den Willen des Asylkreises errichtet wurde. Damalige Intention war es, Flüchtlinge abzuschrecken, nach Deutschland bzw. nach Schwalmtal zu kommen. Zum damaligen Zeitpunkt existierte nämlich auch ein  Vorschlag, ein Mietshaus  für die gleichen Kosten wie für das Garagendorf zu errichten.

3.    Lösungsmodell unter Berücksichtigung der finanziellen Situation der Gemeinde

Ziel ist  eine langfristig dezentrale Lösung, die nicht nur die Unterbringungsprobleme, sondern auch die Chancen der Integration einschließt. Ein weiterer Vorteil des unten aufgezeigten Modells ist es, dass dadurch gute Voraussetzungen geschaffen werden, die Konflikte zwischen Flüchtlingen und Gemeindeverwaltung, aber auch Probleme der Flüchtlinge untereinander zu minimieren. Außerdem sind wahrscheinlich keine Wachgesellschaften erforderlich.

Nicht zu verkennen ist, dass, falls die Flüchtlingszahlen zurückgehen sollten, die dezentralen Mietwohnungen auch den Bürgern in Schwalmtal, die preiswerten Raum benötigen, zur Verfügung gestellt werden könnten. Eine absolute exakte Methode, um die Anzahl der Unterbringungsmöglichkeiten  für die Zukunft zu ermitteln, gibt es weder in der augenblicklichen Konzeption der Fortschreibung von Jahr zu Jahr noch in einem dezentralen Konzept. Das dezentrale Konzept ist aber sicherlich flexibler als der augenblickliche Lösungansatz.

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Die Umsetzung eines Mietwohnungsbaues erfordert von Planung – mögliche Änderungen des Bebauungsplanes – bis Fertigstellung mindestens 2- 2 ½ Jahre. Die Gemeinschaftsunterkünfte, die in Schwalmtal existieren, sind vom Baurecht nur vorübergehend geduldet und weisen auch erhebliche bauliche Probleme auf, die bald eine erneute gründliche Sanierung erforderlich machen werden ( Vogelsrather Weg),  oder sie sind für drei Jahre angemietet., d.h. spätestens in 2 ½ Jahren wäre es möglich,  ohne Kosten für die Gemeinde  Mietverhältnisse zu beenden. Außerdem gibt es seit 2014 einen überparteilichen Konsens im Schwalmtaler Rat, dass Unterkünfte wie der Vogelsrather Weg nicht akzeptabel sind und dass mittelfristig diese Unterkunft nicht mehr belegt werden soll. Wenn also jetzt ein Mietwohnungsbau in Angriff genommen würde, wären in 2 ½  Jahren genügend Unterbringungsmöglichkeiten gegeben, so dass man auf ein oder mehrere Gemeinschaftsunterkünfte verzichten könnte. Wenn jedoch die Flüchtlingszahlen nicht zurückgehen sollten, könnten auch die Sammelunterkünfte weiter angemietet bleiben. Dieses Modell hat den Vorteil, dass je nach Entwicklung nachgesteuert werden kann. Es ist ja auch durchaus denkbar, dass ein  Teil der Mietwohnungen  dann deutschen Mietern, die auf billigen Wohnraum angewiesen sind, zur Verfügung gestellt werden kann. Das Zusammenleben von Flüchtlingsfamilien und Deutschen verstärkt und beschleunigt die Integration.

Aber auch hier wäre es im Rahmen einer dezentralen Lösung wünschenswert, solche neuen Mietobjekte in der Gemeinde zu verteilen und nicht an einem Ort zu konzentrieren. Dabei müsste jedoch darauf geachtet werden, dass die Standorte gut durch den ÖPNV erreichbar sind, weil diese Klientel in der Regel nicht über das Geld verfügt, sich einen PKW anzuschaffen.

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Finanziert werden kann  dieser Mietwohnungsbau durch unterschiedliche Finanzierungsbeispiele:

  • Gemeindeeigene Mietwohnungen
  • Gemischt finanzierte Mietwohnungen (Grundstück : Gemeinde auf Erbpacht; Gebäude: Investor
  • Mietwohnung durch Investor finanziert

Im Rahmen einer Veranstaltung der Kolpingfamilie in Willich, an der der Verfasser als Podiumsteilnehmer teilgenommen hat, hat die Beigeordnete der Stadt Willich das Unterbringungskonzept der Stadt Willich vorgestellt.  Neben der Erstunterbringungseinrichtung des Landes mit 450 Plätzen leben in der Stadt  zur Zeit 514 Flüchtlinge, 363 in Sammelunterkünften, 151 in Wohnungen.
Die Stadt verfolge ein dezentrales Unterbringungskonzept, erklärte die Beigeordnete, weil nur so  eine Integration möglich sei. Angesichts der Zuweisungen vor allem im letzten Jahr hat man dies aussetzen müssen. Für 300 Flüchtlinge sind Mietwohnungen geplant, bzw. im Bau. Außerdem will die Stadt sich auch für eine Verstärkung des Sozialwohnungsbaus einsetzen.

4.    Fazit

Es kann als sicher angenommen werden, dass weit mehr Flüchtlinge in Deutschland, aber auch mehr Flüchtlinge in Schwalmtal bleiben werden als in der Vergangenheit. Bis jetzt hat es die Flüchtlinge nach Anerkennung in die größeren Städte gezogen (Kontakt zur eigenen Community, mehr Chancen auf Arbeitsmöglichkeiten). Das wird sich deutlich verändern.

Zum einen gibt es in den Großstädten immer weniger bezahlbare Mietwohnungen (Grundstückspreise) und der Ausweis von Bauland scheitert oft daran, dass keine Flächen zur Verfügung gestellt werden können. Bei der zukünftigen Planung, wie oben bereits erwähnt, sind nicht nur die anerkannten Flüchtlinge zu berücksichtigen, sondern auch die Familien, die nachziehen.
Zu berücksichtigen ist zudem, dass aufgrund der in diesem Absatz geschilderten Probleme der Großstädte die Bundesregierung beabsichtigt, im Rahmen des Asylpakets III für eine gewisse Zeit eine Residenzpflicht für die anerkannten Flüchtlinge einzuführen, was zusätzliche Kapazitäten im Mietwohnungsbau erfordert.
Die Unterbringung so vieler Flüchtlinge in so kurzer Zeit war bereits eine Herausforderung für Politik, Verwaltung und Asylkreis. Die Herausforderung der Integration ist jedoch um vieles höher und langfristiger angelegt. Je nachdem, wie engagiert und geplant wir sie auch in Schwalmtal in Angriff nehmen und bewältigen, kann das eine enorme Bereicherung für unsere Kommune werden, auch angesichts der demographischen Entwicklung, die sich auch in Schwalmtal zeigt.

Wenn wir die Probleme nicht zeitnah angehen, schaffen wir uns voraussehbare  Langfristprobleme, die in unserer Kommune zu immer mehr Spannungen führen werden.

Hans-Joachim Schwabe

Chef Fadi kocht syrisch

logotellerrandblogDass ein Kochbuch ein Herzensprojekt sein kann, das können alle von Über den Tellerrand kochen ganz besonders gut verstehen. Denn auch in unserer Über den Tellerrand-Community gibt es ein solches Herzensprojektkochbuch. Dieses Buch besitze ich schon lange, es ist großartig und leistet uns echte Hilfe bei der Zusammenarbeit mit unseren Über den Tellerrand-Köchen.

FADI KOCHT SYRISCH

Heute habe ich ein solches Herzensprojektkochbuch geschenkt bekommen und ich hatte beim ersten Durchblättern einen richtigen Rührungsflash. So ein schönes, liebevoll gemachtes Buch hab ich schon lange nicht mehr in den Händen gehalten und ich habe es ganz ganz deutlich gespürt – wenn dieser verdammte Krieg vorbei ist – dann will ich unbedingt nach Syrien. Ich möchte so gerne dieses Land kennenlernen, dass in meiner Welt überhaupt gar nicht vorkam, bevor so viele Syrer zu uns kamen und nun unser Land hier mit ihren Talenten bereichern.

Kochtalent auch in Waldniel

Eines dieser Talente ist der ehemalige syrische Fernsehkoch Fadi Alauwad, der wegen des Krieges mit seiner Familie nach Deutschland geflohen ist und sich nun hier ein neues Leben aufbaut. Er ist der Onkel von Elias Bairam, der in die Fußstapfen des Onkels tritt und ebenfalls ein begnadeter Koch ist. Elias lebt mit seiner Frau, seinem Cousin und seinem Schwager hier bei uns in Waldniel. Was natürlich ein Geschenk ist. Ey – wir sind die Über den Tellerrand-Community Schwalmtal unter uns lebt der talentierte Neffe von Chef Fadi Alauwad!! Natürlich ist Elias längst einer unserer Köche. 🙂

Chef Fadi hat seinen Neffen einige Tage besucht und im Gepäck hatte er auch einige der Bücher. Und tatsächlich war eines davon für mich. Das brachte mir unser Teammitglied Saeed heute mit nach Hause. Ein Buchgeschenk! Mit persönlicher Widmung:

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Das Kochbuch ist ein Buch für Liebhaber. Für Liebhaber kulinarischer Hochgenüsse, für Liebhaber schöner Sprüche, für Liebhaber schön geschriebener Sachtexte und für Liebhaber harmonisch gestalteter Bücher. Man spürt sehr deutlich, hier war ein Team am Werk, das sein Handwerk versteht. Und liebt. So wie Chef Fadi seines liebt.

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Das  Kochbuch ist ein Charity-Projekt – der Erlös dieses Buches geht vollständig an die SyrienHilfe e.V. , ein Verein, der sehr wichtige Arbeit in Syrien leistet. Vor allem kommt die Hilfe auch Kindern zugute, denn Kinder liegen Chef Fadi besonders am Herzen.

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Meine Empfehlung  – helfen Sie ihm dabei. Kaufen Sie dieses Buch. Es ist gerade vergriffen, wird aber nachgedruckt. Sie tun es für die Menschen in einem geschundenen Land, vor allem aber auch für sich selbst. Lassen Sie es sich schmecken!

 

F. A. Brown: MY ADVENTURE

(Für die deutsche Version bitte nach unten scrollen.) We start our new „Magazine“ with a series of interviews with refugees living in Schwalmtal. First of all we spoke with Felix A. Brown, a nigerian journalist living in Waldniel at the moment. We asked him to work with us at this website and to do the interviews and articles for the new category „Magazine“. We are happy that he joins our small webteam and let us benefit from his competences. We want to  introduce him to all our visitors and readers – that’s what he wrote and replied to our questions:
1408390686285Journey to Europe, it provides an opportunity for a wider exposure to new information, education, ideas and skill. It broadened ones view of things and helps to promote intercultural relationships as you come across people of different nationalities. As an Executive Director of youth focused a non-governmental organization before leaving Nigeria, I have been privileged to work with different bodies and people to promote sexual health and reproductive right of women, young people and vulnerable groups in Nigeria. My experience in that area with my background in the media gives me better understanding of things in a different society I found myself.

Can you give us brief introduction about yourself?

Brown Felix Adewale is my name. I am African from the Yoruba speaking south-western region of Nigeria. Now in my late 30s or say in my 40s, I attended primary and post primary education in Nigeria after which I have worked in different organizations ranging from media to non-profit among others. I have my discipline in journalism which I practiced for a while before crossing over to the non-profit sector to fulfil my passion to promote sexual health and reproductive right, women empowerment and youth development in Nigeria. The nature of my work demand travelling especially to rural and hard to reach communities across Nigeria where there are several lot of people with little or no access to health care facilities. As the executive director of Global Youth Development Centre and Rural Health Response, I have been involved in different research into sexual health and reproductive right problems in Nigeria. I have been involved in several advocacy and training projects for young people, vulnerable groups, IDU sexual minorities, health care givers, community gate keepers, institutions and policy makers. Developing health care projects, producing education materials (IECs) working towards bridging the gaps between the rural poor, government agencies and development partners.

Having got such a fascinating credential, one will like to ask WHY THEN JOURNEY?

Well, I will say travelling means different thing to me as it is also for other people migrating from different part of the world. It is to me more of personal because it has to do with my work and personal safety.

What are your goals before travelling or you just decide to go?

It depends really on how you look at it. In general, I will like to still do what I know how to do best no matter where I am. Though the situation now is not too good,  I hope it will get better soon.

How did you choose your destination?

My destination was informed by one of my friend who travels regularly to Europe. He actually advised that I choose Germany because he told me that this part of Europe is safer and very interesting. It is different with individuals as I stated earlier. We always talk about cars like Volkswagen, BMW and Mercedes, AUDI, and the popular team Bayern Munich. Honestly I see Germany as land of great opportunity depending on how you go about it and of course if you are accepted. I think we were lucky at the time we unlike like now that migrant flow into Europe and especially Germany is becoming a major concern.

You are in Germany for a while now, what has changed about you and what are your view of your new abode?

I have learnt to be more tolerance, respect other people’s view and respect the law of the land. Normally I am a gentle man to the call and I tried much to be civil. It was very difficult at first because of language barrier. Thanks to the community effort and especially the aslykrise. These are group of professionals who volunteer their time to help foreigners who comes into Germany. You can find these set of people and group all over Germany. In the community I leave, this group has really helped me a lot. From offering medical assistance to offering free German course to aid integration, gifts and many more. They provide information on different subjects that may arise among many other services. One unique strategy used by this group is called Summer Feast. This is aimed at getting people from different culture to come together and familiarise.

Let’s talk about cultural differences between Nigeria and Germany?

I will say first and foremost that it’s very interesting. Germany has so many things foreigners will learn from. I love the carnival. That to me is unique. Another very interesting part of the culture is the freedom women enjoy.  The night life is very interesting too where a lot of young people can interact, dance, sing, drink and maybe get drunk at times. You really need to pay close attention to the culture here to understand and appreciate it. Generally, the german people are very friendly and accommodating though there might exist some resistance from some group of people.

How is your integration process? What is your status?

In progress and I hope soon it will be good. I cant really say much on this for now.

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GERMAN VERSION

F.A. Brown: Mein Abenteuer

Wir starten unser neues „Magazin“ mit einer Serie von Interviews mit Geflüchteten, die hier bei uns in Schwalmtal leben.  Als erstes sprachen wir mit Felix Brown, einem nigerianischen Journalisten, der im Moment in Waldniel lebt. Wir haben ihn gebeten, mit uns an unserer Website zu arbeiten und Interviews und Artikel für unsere neue Kategorie „Magazin“ zu führen und zu schreiben. Wir freuen uns, das er nun zu unserem kleinen Webteam gehört und wir von seinen Kompetenzen profitieren können. Wir möchten ihn unseren Besuchern und Lesern vorstellen – hier sind seine Antworten auf unsere Fragen: 

1408390686285Reise nach Europa – das bietet die Gelegenheit zu einem größeren   Zugang zu neuen Informationen, Bildung, Ideen und Fähigkeiten.  Eine solche Reise erweitert den Blick auf die Dinge und hilft, interkulturelle Beziehungen zu fördern, weil man mit vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zusammenkommt. Bevor ich Nigeria verließ, hatte ich als geschäftsführender Direktor einer auf die Jugend fokussierten NGO das Privileg mit verschiedenen Institutionen und Menschen zusammenzuarbeiten. Wir setzen uns für die Sexualgesundheit und die Rechte für Frauen, junge Menschen und gefährdete Gruppen in Nigeria ein. Meine Erfahrung in diesem Bereich zusammen mit meinem Background in den Medien erleichtert es mir, mich in einer fremden Gesellschaft zurecht zu finden und andersartige Dinge zu verstehen. 

Kannst du dich bitte kurz vorstellen und ein wenig von dir erzählen?

Mein Name ist Felix Adewale Brown, ich bin Afrikaner und komme aus dem Yoruba sprechenden Südwesten von Nigeria. Ich bin jetzt Ende 30, oder sagen wir in den 40ern, ich besuchte Grund- und  weiterführende Schulen in Nigeria, danach habe ich in verschiedenen Organisationen gearbeitet. Unter anderem in Medienunternehmen und Non-Profit-Organisationen. Ich habe eine Weile im Journalismus gearbeitet, bevor ich in den Non-Profit-Sektor gewechselt bin, um meiner Leidenschaft nachzugehen: die Sexualgesundheit, das Recht der Frauen auf selbstbestimmte Fortpflanzung,  die Förderung von Frauen und die Entwicklung der Jugend in Nigeria. Die Art meiner Arbeit erforderte viele Reisen, insbesondere in die ländlichen und schwer zu erreichenden Ansiedlungen Nigerias, wo die Menschen nur wenig oder gar keinen  Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben.  Als geschäftsführender Direktor des ‚Global Youth Development Centre and Rural Health Response‘, war ich involviert  in verschiedene Untersuchungen zu Sexualgesundheit und den Problemen bei Fortpflanzung und Verhütung in Nigeria. Ich war auch involviert in verschiedene Lobbyarbeit- und Bildungsprojekte für junge Menschen, gefährdete Gruppen,  IDU sexuelle Minderheiten, Gesundheitspflegepersonal, Institutionen und Entscheidungsträger. Wir entwickeln Gesundheitspflegeprojekte und produzieren Unterrichtsmaterialien (IECs), die darauf hinarbeiten, die Lücken zu überbrücken zwischen den Armen auf dem Land, den Regierungsbehörden und den Entwicklungspartnern.

Mit einem so guten Zeugnis einer so guten Stellung – manch einer wird fragen: WARUM DANN DIESE REISE? 

Gut, ich will sagen, „Reisen“ bedeutet verschiedene Dinge für mich, so wie es für andere Menschen Migration aus einem anderen Teil der Welt bedeutet. Für mich sind die Gründe mehr als persönlich, sie haben mit meiner Arbeit und meiner persönlichen Sicherheit zu tun.

Was waren deine Ziele vor deiner Abreise, oder hast du einfach nur entschieden zu gehen?

Es hängt wirklich davon ab, wie man das sieht. Generell will ich immer noch gerne tun, was ich am besten kann, ganz egal, wo ich bin. Obwohl dafür die Situation momentan nicht allzu gut ist, hoffe ich, sie wird sich für mich bald verbessern.

Wie hast du dein Reiseziel ausgewählt?

Mein Ziel wurde bestimmt von einem Freund, der regelmäßig durch Europa reist. Er riet mir, Deutschland zu wählen. Er sagte mir, dass dieser Teil Europas sicherer sei und sehr interessant. Anders verhält es sich mit Personen, mit denen ich früher zusammen war. Wir sprachen immer über Autos wie Volkswagen, BMW und Mercedes, AUDI, und die berühmte Mannschaft Bayern München.  Ehrlich gesagt, sehe ich Deutschland als Land der großen Möglichkeit,  abhängig davon, wie man damit umgeht und natürlich, ob man akzeptiert wird.  Ich glaube, wir hatten zu der Zeit Glück, nicht so wie jetzt, wo der Migrantenstrom nach Europa und insbesondere Deutschland zu einem riesigen Problem wird.

Du bist jetzt schon eine Weile in Deutschland. Was hat sich für dich verändert und wie siehst du deine neue Bleibe? 

Ich habe gelernt, toleranter zu sein, die Ansicht anderer Leute zu respektieren und auch das Gesetz des Landes zu respektieren.  Ich bin generell ein sanfter Mensch, ich gebe immer mein Bestes und habe immer versucht, höflich zu sein. Es war anfangs sehr schwierig wegen der Sprachbarriere. Danke für die Bemühungen der Gemeinde und besonders des Asylkreises, einer Gruppe von Berufstätigen, die ihre Freizeit investieren, um Ausländern, die nach Deutschland kommen, zu helfen. Man findet solche Menschen und Gruppen in ganz Deutschland.  Hier in Waldniel hat mir der Asylkreis wirklich viel geholfen. Vom Angebot medizinischer Hilfe, bis zu kostenlosen Deutschkursen, um Integration zu unterstützen, Geschenken und vielem mehr.  Sie geben Auskunft zu vielen Themen und beantworten viele Fragen, die sich stellen können.  Eine einzigartige Strategie des Asylkreises ist das Sommerfest. Sein Ziel: Menschen verschiedener Kulturen zusammen zu bringen, damit sie einander kennenlernen und in Kontakt kommen.

Lass uns über kulturelle Unterschiede zwischen Nigeria und Deutschland reden. 

Ich will zuallerst sagen, dass es sehr interessant ist. Deutschland hat so viele Dinge, von denen Ausländer lernen können. Ich liebe den Karneval. Das ist für mich einzigartig. Ein anderer interessanter Aspekt der Kultur ist die Freiheit, die Frauen hier genießen. Das Nachtleben ist ebenfalls sehr interessant, wo viele junge Menschen miteinander agieren, tanzen, singen, trinken und manchmal auch betrunken werden können.  Man muss wirklich gut aufpassen, um diese Kultur hier zu verstehen und zu schätzen.  Im Allgemeinen sind die deutschen Leute sehr freundlich und entgegenkommend, obwohl es auch etwas Widerstand von einigen Gruppen von Menschen gibt.

Was macht dein Asylverfahren? Wie ist dein Status?

Das läuft noch und ich hoffe, dass bald alles gut sein wird. Ich kann dazu wirklich im Moment nicht mehr sagen.