Schlagwort-Archive: Kochen

Über den Tellerrand: Fusionskochen Syrien-Libanon-Palästina-Deutschland

Am 18. März 2017 war es mal wieder soweit – das erste Über den Tellerrand kochen bei Königs Küchen in diesem Jahr. Wir hatten das Jahr mit einer Inventur unserer Lebensmittelvorräte gestartet und dabei festgestellt, dass wir im Laufe der Zeit ziemlich viel Olivenöl, Reis, Grieß und sonstige haltbare Köstlichkeiten angehäuft hatten. Das geschieht, wenn jedes Mal neue Teams einkaufen gehen, die nicht den Überblick haben, was in unseren Vorratskisten alles bereits vorhanden ist. Gertrud Hinkes aus unserem ÜdTk-Orgateam hatte sich dem Problem angenommen, alles erfasst, sortiert und dabei überlegt, was man kochen könnte, um diesen Überschuss ein wenig abzubauen. Denn wir wollen keinesfalls Lebensmittel unnötig wegwerfen müssen. Wir konnten Zachary Mustafa aus Damaskus, der seit einem Jahr bei uns in Waldniel lebt und der bereits einmal mit uns gekocht hatte, dafür gewinnen,  zusammen mit Gertrud ein orientalisch-deutsches Menu zu entwickeln. Was dabei heraus gekommen ist, stellen wir euch und Ihnen nun hier vor.

Klar – auch an diesem Tag ging es nicht nur ums Essen, sondern vor allem auch um Begegnungen. Kochen macht uns uns allen Spaß und  Essen ist zweifelsohne ein Genuss, aber das Wichtigste und der Grund für unser Tun sind die Begegnungen mit den Menschen. Wir wollen Brücken bauen zwischen den Kulturen, wir wollen unseren neuen Mitbürgern, die ihr Heimatland verlassen mussten, helfen, bei uns Fuß zu fassen und wir wollen allen alteingesessenen Waldnielern zeigen, dass die „Neuen“ auch noch etwas ganz anderes sind, als „diese Flüchtlinge“. Es sind Mitbürger, Nachbarn, Kollegen, Bekannte und Freunde.

Es hat sich schon eingebürgert, dass wir zu Beginn der Veranstaltung einen alkoholfreien Cocktail reichen. So kann man in lockerer Runde bereits miteinander anstoßen, während die jeweiligen Chefköche das Menu vorstellen. Dieses Mal war es ein alkoholfreier Mojito.

Während wir an diesem köstlichen Getränk nippten, erklärten uns Gertrud und Zachary, was uns erwartete:

Musghan, eine Teigrolle mit Hähnchenbrust gefüllt, ein traditionelles Gericht aus der palästinensischen Küche. 

Muhammra, eine scharfe Paprikapaste als Vorspeise aus Syrien.

Von Gertrud selbstgebackenes Fladenbrot, wie man es in vielen Ländern der Erde kennt und isst.

Auberginen und Artischockenböden gefüllt mit Hackfleisch, wie man sie im Libanon und in Syrien isst. Als Beilage Reis mit Fadennudeln, als nach klassischer syrischer Zubereitungsart.

Dazu gab es noch einen warmen Bulgursalat mit Röstgemüse, der in seiner Zusammensetzung und Würzung auch orientalisch anmutete, aber dessen Rezept keinem Land zuzuordnen ist.

Und zum Dessert Marzipan-Grieß-Flammeri mit Kirschen aus Deutschland.

Alles zusammen war dieses Menu ‚fusion cooking‘ at it’s best. Und sooo lecker. 🙂

Erdacht und komponiert wurde es von den beiden Chefköchen dieses Events, von Gertrud und Zachary, die nach getaner Arbeit beide erschöpft, aber glücklich und zufrieden das Büffet eröffneten.

Sie hatten sicher die meiste Arbeit und mit der Verantwortung für gutes Gelingen auch den nervenaufreibendsten Job. Aber sie hatten auch viele Helfer. Menschen aus Deutschland, Syrien, Pakistan und dem Iran waren gekommen und alle gemeinsam zu kochen. Sie schnippelten und schälten, sie zerkleinerten Gewürze, sie wickelten Hähnenfleisch in Teigrollen ein, sie brutzelten unzählige Auberginenscheiben in Öl und sie verarbeiteten einen riesigen Berg Paprika zu einem Brei, der in jedem Tatort hätte mitspielen können. 😉

Während also all diese netten Menschen dafür sorgten, dass wir am Ende des Tages gemeinsam essen konnten, entstand an anderer Stelle unsere Tischdeko. Unsere „Deko-Beauftragte“ Susanne hatte wunderschöne Tulpen, Rosen und Zweige mitgebracht, aus denen eine zauberhafte Frühlingsdeko entstand. Für die Rosen geht ein dickes Dankeschön an den Blumenladen „Blumentopf“ in der  Krefelder Str. 103 in 41063 Mönchengladbach, direkt am Real-Kaufhaus, denn sie wurden uns von dem freundlichen Händler geschenkt!! Susanne und Razan machten auf jeden Fall wunderschönen Tischschmuck daraus.

So lange das Essen noch nicht fertig war, bewunderten alle die schön eingedeckten Tische. Aber als wir dann alle da saßen und aßen, liefen Mushgan, Muhammra und Co. doch den Blumen den Rang ab. Alle hatten nur noch Augen für das, was auf ihren Tellern lag. 🙂

Alle Rezepte, bzw. die Zutatenlisten könnt ihr hier als PDF herunterladen.

Und wer jetzt immer noch nicht genug gesehen hat – hier sind sie alle – die Bilder unseres ersten Über den Tellerrand Fusionskochens.

 

 

 

 

 

Über den Tellerrand kochen: Syrien

Am 21.05. hatten Marcel und Kerstin Kessels aus Waldniel zu einem ÜberdenTellerrandkochen in ihr Haus eingeladen. Chefkoch war Ahmad Zachary Mustafa aus Damaskus, der seine Freunde Razan Al Khaldie und Hazem Hadidi mitgebracht hatte. Außerdem dabei ein weiteres syrisches Ehepaar – Amwar Tamin und seine Frau Shiraz. Die beiden waren extra aus Hardt gekommen – ÜberdenTellerrand Schwalmtal ist mittlerweile über unsere Ortsgrenze hinaus bekannt und begehrt. 🙂

Wir hatten traumhaftes Wetter, so dass wir die ganze Zeit draußen sitzen und essen konnten.

IMG_5537

Aber bis es soweit war, dass wir vor einem reich gedeckten Tisch mit allerlei syrischen Köstlichkeiten sitzen konnten, hatten wir erst noch einiges vorzubereiten. Fatush, Mutabal, Mariya und Kousa bi Laban sollte es geben. Dazu leckerer auf syrische Art zubereiteter Reis.

Zur Vorbereitung traf man sich dann doch im Haus – in der Küche werkelten die syrischen Männer.

IMG_5497 IMG_5512

IMG_5509 IMG_5507

Alle anderen wurden von Chef Zachary mit den verschiedensten Vorbereitungen beschäftigt. Das erinnerte zuweilen jedoch eher an eine Bastelwerkstatt als an ein Kochevent.

IMG_5489 IMG_5496

IMG_5500 IMG_5503

Vor allem das Aushöhlen der Zuccini für Kousa bi Laban (=mit Lammhack gefüllte Zucchini in gekochtem Joghurt) ohne geeignetes Werkzeug stellte die ÜdTk’ler vor eine Herausforderung. Aber einmal mehr bewahrheitete sich der Spruch: Not macht erfinderisch. Kreativ zweckentfremdete man Korkenzieher oder setzte sogar handfestes Werkzeug ein, dass von der letzten Renovierungsaktion im Haus der Gastgeber noch vorhanden war.

IMG_5492

Auf diese Weise wurden viele viele Zucchini ausgehöhlt – für jeden drei Stück! – und mit Lammhack gefüllt. Die frittierten Zucchinis wurden dann in einer Joghurtsauce gekocht und serviert. LECKER!

IMG_5513IMG_5505

IMG_5526

Fatoush, ein gemischter Salat mit geröstetem Brot und Mutabal – eine Auberginencreme – entstanden ebenfalls in Gemeinschaftsarbeit und waren nicht nur lecker, sondern auch – wie viele Gerichte in der syrischen Küche – eine Augenweide. Ich bin sicher, dass unser Sprichwort: ‚Das Auge isst mit‘ syrischen oder arabischen Ursprung hat.

IMG_5521 IMG_5524

Dazu gab es besonders gut schmeckend gewürzten Reis, den die Syrer gemeinsam mit Fadennudeln kochen. Das macht ihn besonders locker und gibt ihm eine interessante Färbung.

IMG_5527

Und wer jetzt schon denkt – meine Güte, das war aber viel, was dort serviert wurde, der war noch nie bei einem ÜberdenTellerrand-Event.  Denn es fehlt ja noch Mariya, was man auch ‚belegtes Brot“ nennen könnte, oder auch Sandwich, überbacken auf syrische Art. Mariya ist syrisches Brot, dünn gefüllt mit einer Lamm-Petersilie-Mischung, was dann im Ofen knusprig gebacken wird.

IMG_5525

Es schmeckt köstlich! Ich erzählte dem Koch ganz stolz, dass ich neulich auch Mariya gemacht hatte und zwar nach einem Rezept aus Fadis Kochbuch, das wir hier auch schon einmal vorgestellt haben.

IMG_5515

Und musste einmal mehr erfahren, wie klein die Welt doch ist. Zacharias Mustafa, studierter Touristikmarketingmanager (der übrigens gerne eine weitere Ausbildung im Hotelfach hier irgendwo zwischen Schwalmtal und Düsseldorf machen würde …) und Parttime-Koch in der Über den Tellerrand Community Schwalmtal kommt wie Chef Fadi Alauwad aus Damaskus und kennt ihn sogar persönlich.

IMG_5518

Wer dieses Kochbuch kauft, erhält nicht nur ein liebevoll gemachtes Buch mit lauter alltagstauglichen Rezepten aus Syrien, sondern tut auch gleichzeitig etwas Gutes. Denn der Erlös vom Verkauf dieses Buches geht vollständig an die Syrienhilfe e.V.

Nach etwa drei Stunden gemeinsamer Arbeit war unser Festmahl bereitet und der Tisch gedeckt.

IMG_5531

Wir aßen und schlemmten und redeten und lernten eine Menge voneinander. Da vor allem Zacharias nach nur sechs Monaten in Deutschland richtig gut Deutsch spricht, konnten wir uns auch schon richtig angeregt unterhalten. Wir erfuhren viel vom Leben in Damaskus, wir lernten einiges über die Motive der Gläubigen beim Ramadan und dass viele in Damaskus Bayern München Fans sind.

Am nachhaltigsten aber war wieder einmal das Gefühl zu erleben, dass Liebe durch den Magen geht und dass in einem guten Essen nach einem Rezept von der Oma ein Stück Heimat steckt. Zachary schreibt über sich selbst an anderer Stelle:

„My House has been Destroyed by a War,The Sea throw Me away,But my Soul still sleeping there. Syria.“

Lieber Zachary, das konnte man sehen, schmecken und spüren. Danke!

Danke auch an alle, die dabei waren. Und danke vor allem an Kerstin und Marcel Kessels für die bereits zweite Einladung zum ÜberdenTellerrandkochen in ihrem Haus.

 

 

Über den Tellerrand: Kochen im Effa

effa-logologotellerrandblogAm Mittwoch, 20. April 2016 gab es den ersten von vielen geplanten Terminen der EFFA-Kochkultur – ein neues öffentliches Format unserer Über den Tellerrand -Aktivitäten. EFFA-Mitarbeiterin Andrea Schulz hat uns einen Bericht geschickt. Vielen Dank dafür! 

Die Küche im EFFA Kinder- und Jugendfreizeitzentrum ist entsprechend vorbereitet bzw. viele Dinge sind aus dem Weg geräumt, die Schürzen für die Teilnehmer/innen liegen bereit. Der große Tisch im Hauptraum ist vorübergehend um die neue Tischkombination aus dem Garten erweitert. Servietten sind da, Handtücher platziert, Getränke stehen bereit, Backpapier ist besorgt. Aus dem Kreativraum im oberen Stockwerk sind bereits so viele Stühle beigestellt, dass für alle Platz ist, die sich angesagt haben. 20 Menschen aus Asyl, offener Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Waldniel und dem Asylkreis Schwalmtal werden heute zum ersten Mal miteinander kochen, reden, sich kennenlernen und einen Schritt aufeinander zu gehen.
Die beiden Mitarbeiterinnen Andrea Schulz und Miriam Prenten sind bereit.

IMG_716513.00 Uhr: Wie vereinbart kommt Gertrud Hinkes, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin vom Asylkreis Schwalmtal mit ihren Einkäufen und vorbereiteten Leckereien im EFFA Kinder- und Jugendfreizeitzentrum auf der Lange Str. 48 – 50 in Waldniel an. Sie hat bereits zwei große Klappkisten auf die untersten Stufen der Treppe gestellt als die beiden Mitarbeiterinnen ihre Ankunft bemerken und mithelfen. Gertrud Hinkes ist die Fachfrau fürs Kochen, denn sie hat sich erst kürzlich mit ihrem „Kochservice Aubergine“ selbständig gemacht. Sie ist perfekt organisiert, hat alles im Vorfeld bereits mitgeplant, kostengünstig eingekauft und schon eine Menge vorbereitet. Ihre eigene Küchenmaschine, super schöne Gläser für den Nachtisch, noch mehr Schürzen aus ihrem eigenen Fundus, Kisten, Kartons und vieles mehr hat sie dabei.

Heute ist sie, genau wie Kerstin Kessels ehrenamtlich mit dabei, wenn die Mitarbeiterinnen der offenen Kinder- und Jugendarbeit den ersten von acht Terminen in diesem Jahr mit Frauen und Kindern zwischen 6 und 14 Jahren im Asyl und aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit durchführen. Kerstin Kessels kommt mit Alina, ihrer Tochter und hat mit ihr zusammen ein ganzes Kuchenblech mit Brownies gebacken und für alle kostenlos mitgebracht. Toll!

IMG_7189

Alle Teilnehmer/innen zahlen einen Kostenbeitrag von 3 €. Der Höchstbeitrag für eine Familie (egal ob 1, 2 oder 3 Kinder) liegt bei 4,50 €. Selbstverständlich gilt das für alle Teilnehmer/innen gleich.
An der Planung für den ersten EFFA-Kochkultur-Termin waren die Mitarbeiterinnen aus dem EFFA und dem Asylkreis beteiligt. Die Essensplanung der weiteren Termine soll dann mit den Frauen und Kindern stattfinden, die sich ab der zweiten Aktion anmelden.

IMG_7184

Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist in der Regel zuständig für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 6 bis einschließlich 26 Jahren und das EFFA ist in punkto Sicherheitskriterien und Spielmaterialien auch für diese Altersspanne entsprechend gerüstet. Genau aus diesem Aspekt wurde für die EFFA-Kochkultur festgelegt, dass Mütter mit Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren teilnehmen können, denen die Möglichkeiten der offenen Kinder- und Jugendarbeit durch diese Aktion offen gelegt werden soll.
Der Erstkontakt mit den Müttern sorgt gleichsam für Sicherheit bei den Eltern und Kindern. Jugendliche ab 14 Jahre sind oft recht selbständig und kommen in der Regel eher über Freunde und Klassenkameraden in die offene Kinder- und Jugendarbeit.

IMG_7168

Von 11 persönlich oder telefonisch angemeldeten Frauen und Kindern aus dem Asyl kommen insgesamt 9 Teilnehmer/innen. Nicht alle können direkt zu Anfang dabei sein. Einige der Teilnehmer/innen sind noch beschäftigt mit Arbeit oder Schule und kommen etwas später nach. Die offene Kinder und Jugendarbeit ist ebenfalls mit 9 Teilnehmer/innen vertreten. Das Ziel einer paritätischen Besetzung ist somit erreicht.

IMG_7231

Einer unserer jungen Gäste kommt hinzu und es stellt sich heraus, dass er sich in der Schule die Hand verletzt hat. Er hat Schmerzen und da heute Mittwoch ist, gibt es keinen Arzt, der sich darum kümmern kann. Kurzerhand sprechen sich die Mitarbeiterinnen ab und Kerstin Kessels, die sich im Umkreis gut auskennt, erklärt sich bereit, mit dem 14jährigen in die Klinik zu fahren, damit er behandelt werden kann. Zwei Stunden später sind beide wieder im EFFA, die Hand ist versorgt und endlich können sie auch weiter teilnehmen. Dankeschön!

IMG_7215

Im Laufe des Nachmittags der von 14.00 h bis 19.00 h geplant ist,  treffen spontan weitere über die EFFA-Kochkultur informierte Frauen aus dem Asylbereich ein, die sich dafür interessieren, bei der zweiten Kochaktion dabei zu sein. Es wird nachgefragt, übersetzt und geklärt und unsere weiteren Gäste gehen auf das Getränkeangebot der Mitarbeiterinnen ein und sitzen bei Kaffee -erst einmal innerhalb der eigenen Gruppe – mit ihrer Dolmetscherin zusammen. Gertrud Hinkes berät die neuen Gäste und lädt alle ein, die köstliche selbstgemachte Pizza zu kosten und so wird der Kreis unserer Gäste für einige Zeit um sieben Frauen und Kinder aus Syrien erhöht, die sich außerdem gerne für den zweiten Termin angemeldet haben. Namen und eine Telefonnummer wurden im EFFA mitgeteilt und vereinbart, dass diese Gruppe zur Vorbereitung der nächsten EFFA-Kochkultur-Aktion eingeladen wird.
Wir freuen uns darauf!

Über den Tellerrand kochen: Somalia

Danke an die Gastgeberin Gertrud Hinkes für ihren ausführlichen Gastbeitrag, den wir gerne in seiner ganzen Länge veröffentlichen. Zeigt er doch wunderbar, dass es nicht immer ganz so leicht ist, die Kulturen zusammen zu bringen, dass es sich aber in jedem Fall lohnt, es beständig zu versuchen. 🙂 

logotellerrandblog

20.02.2016 – ein somalischer Tag bei Gertrud und Karl

Der so lange geplante somalische Tag bei uns hat nun nach einem sehr langen Vorlauf und einigen Schwierigkeiten bei uns zu Hause endlich stattgefunden.

Aber zunächst zurück auf den Anfang.

Nach meiner Anmeldung beim Asylkreis im September 2015 war schnell klar, daß ich beim „Kochen über den Tellerrand“ mitmache. Es sollte somalisch gekocht werden, mit Asiya (alleine in Deutschland) und einer Familie (Abdirahman, Farhiya und 3 Kinder unter 5 Jahren.  Die Menü-Findung war ein wenig abenteuerlich, weil es kaum Rezepte gab, meist nur eine grobe Aufzählung der wesentlichen Zutaten. Als Termin haben wir den 05.12.2015 vereinbart.

Kurz vor dem 05.12. wollte ich mich noch einmal telefonisch melden. Mit Farhiya und Asiya wollte ich am 04.12. einkaufen und am 05.12. ab ca. 12:00 kochen und gegen 16:00 wollten wir alle gemeinsam essen.

Gesagt getan. Etwa 1 Woche vor dem Termin habe ich mich bei Familie Muhumed telefonisch gemeldet. Abdirahman berichtete mir, dass er zurzeit den Führerschein macht und deswegen am 05.12. leider keine Zeit hat. Damit war der Termin gestorben. Wir haben Abdirahman zwar nicht zum Kochen benötigt, aber er sollte während der Zeit die Kinder „hüten“. Ein späterer Termin im Dezember war wegen seines Führerscheins leider auch nicht möglich. Also haben wir das Kochen bis Januar 2016 auf Eis gelegt. Asiya habe ich informiert und die eingeladenen Gäste wieder ausgeladen.

Im Januar 2016 haben wir einen neuen Termin vereinbart, den 20.02.2016. Eine Woche vor dem 20.02. habe ich die genaueren Zeiten mit den Somalis abgestimmt. Immer noch alles in „Butter“.
Schnell waren auch weitere Gäste gefunden, 2 Paare aus dem Asylkreis. Leider bekam ich dann bis kurz vor dem Termin von allen aus den unterschiedlichsten Gründen eine Absage.
Ich stand dann etwas ratlos da. Absagen wollte ich den Termin nicht schon wieder. Nach einigen Telefonaten hatte ich ein Ehepaar (Katharina und Wilhelm) gefunden, das spontan zugesagt hat.
Am 19.02. bin ich gegen 15:30 mit Asiya und Farhiya zum Einkaufen aufgebrochen, geplant war 14:00, aber in Somalia ticken die Uhren halt anders. Von Asiya habe ich während des Einkaufs erfahren, daß sie eine befreundete Somalierin (Aischa) mitbringt. Das kam zwar überraschend, aber es war ja noch Platz am Tisch.
Es ging nach Mönchengladbach in die Innenstadt zu einem türkischen Lebensmittelladen. Es war schon sehr abenteuerlich mit den beiden Damen einzukaufen. Nach einigen hin und her im Laden und einigen Diskussionen über die Einkaufsmenge (z.B. benötigen wir wirklich 5 kg Reis?), sind wir glücklich mit unseren Einkäufen nach Waldniel zurück. Die noch fehlenden Zutaten haben wir beim Discounter erstanden.

Am nächsten Tag teilte mir Katharina mit, daß ihr Mann fast bewegungsunfähig sei. Aber sie wollte trotzdem kommen. Wieder ein Gast weniger!

In meiner Küche habe ich, soweit möglich, alles vorbereitet: Begrüßungs-Smoothie gemixt, Gemüse gewaschen, Zutaten zusammengestellt, Ölflaschen nachgefüllt, Mülleimer geleert usw.
Gegen 12:00 wollte ich Asiya, ihre Freundin Aischa und die vorbereiteten Sambusa abholen. Aischa kam nicht mit, weil sie stark erkältet war, dafür hatte Asiya aber nicht nur Sambusa sondern noch eine weitere Art von Teigtaschen und einen Bohnensalat mit Reis vorbereitet. Ich dachte nur, wer soll das alles essen? Das Abholen von Farhiya hat reibungslos geklappt. Allerdings war sie erkältet, fühlte sich aber einigermaßen fit für unsere Kochaktivitäten.

Bei mir zu Hause angekommen, wollte ich den beiden zunächst meine Küche erklären und mit ihnen in Ruhe einen Smoothie trinken. Keine Chance! Beide haben sich ohne Umschweife direkt an die Arbeit gemacht.

Asyia aus Somalia
Asiya auf dem Hochstuhl, den sie sofort für sich entdeckt und nicht mehr hergegeben hat.

Innerhalb kürzester Zeit war Hektik ausgebrochen. Farhiya hat das Kommando übernommen. Ich konnte nicht schnell genug alles Benötigte an Behältnissen, Messern, Brettern usw. herbeischaffen. Zusätzlich bekam ich einige Schnippelaufgaben übertragen. Teilweise musste ich mich zur Wehr setzen, weil das eine oder andere Farhiya nicht schnell genug ging: Mach den Topf mit dem Pudding leer, ich benötige den für den Reis.

Farhiya beim Frittieren des Gemüses
Farhiya beim Frittieren des Gemüses

Zwischendurch habe ich immer wieder gespült, aufgeräumt, den Herd sauber gewischt, damit nicht das totale Chaos ausbricht.
Die größten Schwierigkeiten hatten die beiden Damen mit dem Induktionsherd. Sie wollten ihn nicht selbst bedienen und haben den Herd auch immer wieder ausgeschaltet. Alles Erklären half nichts. Ich habe an diesem Tag gefühlt 100 mal den Herd eingeschaltet und die Temperatur geregelt.

Gegen 14:00 kam Katharina und hat mich tatkräftig unterstützt. Ich war richtig froh über die Hilfe.

P1070672

Gegen 15:00 hatten wir das Essen fertig. Mit Abdirahman habe ich die Abholung der restlichen Familie für 15:45 vereinbart. Gegen 15:30 rief er zurück und bat um etwas mehr Zeit.

Trotz schlechtem Wetter (es regnete ohne Unterlass) habe ich den Rest der Familie sicher und heil nach Waldniel gebracht. Zunächst haben wir uns alle mit einander bekannt gemacht. Die 3 Kinder (Fatuma, Yusuf und Jasir) waren noch etwas zurückhaltend.
Asyia und Farhiya haben das Essen auf unserer Küchentheke aufgebaut, ein farbenprächtiger Anblick und der machte uns Appetit.

Asyia und Farhiya haben das Essen auf unserer Küchentheke aufgebaut, ein farbenprächtiger Anblick und der machte uns Appetit.
Asyia und Farhiya haben das Essen auf unserer Küchentheke aufgebaut, ein farbenprächtiger Anblick und der machte uns Appetit.

Diese Gerichte hatten wir in den letzten 4 Stunden vorbereitet bzw. wurde von Asiya mitgebracht

o    Im Ofen gebackenes Lamm
o    Hackfleischsoße mit afrikanischen Gewürzen
o    Spaghetti
o    Basmatireis mit frittierten Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln, gefärbt mit roter und grüner Speisefarbe
o    Maismehlbrei
o    Bunter Salat mit Eisbergsalat, Tomaten, Gurken, Paprika, gekochtem Ei und einer Marinade aus Mayonnaise, Essig und Gewürzen
o    Sambusa: mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, frittiert
o    Frittierte pikant gewürzte Teigbällchen
o    Bohnen-Reis-Salat
o    Verschiedene Würzpasten
o    Vanillepudding mit Kardamon, Ananas und Banane

Jeder hat sich reichlich bedient. Die 3 Kinder haben sich um ihre Mama gescharrt und wurden von ihr mit der Hand gefüttert. In der Tat für uns ein sehr ungewohnter Anblick. Zum Schluss selbst hat dann auch Farhiya etwas zu essen bekommen.

P1070676

Gemundet hat uns das Essen sehr. Aber es war einfach zu viel. Es hätten locker noch 5-6 weitere Personen an der Tafel sitzen können. Für Asiya und Farhiya habe ich jede Menge von unserem Essen eingepackt. Katharina hat Asiya nach Hause gefahren und ich die Familie Muhumed. Mein Auto war bis zur Halskrause gefüllt, 2 Erwachsene, 3 Kinder und ein Kindersitz.

Anschließend haben Katherina, Karl und ich noch ein wenig den Tag Revue passieren lassen und einen Absacker getrunken. Nachdem Katharina sich verabschiedet hatte, haben Karl und ich die Küche aufgeräumt, das meiste war jedoch schon zwischendurch geschafft. Also waren wir bald fertig.

P1070681

Fazit:

Es war ein interessanter, sehr anstrengender Tag. Mit Familie Muhumed habe ich vereinbart, dass wir das Essen noch einmal wiederholen, dann aber ohne Kinder. Wir müssen nur einen Babysitter für die Kinder besorgen. Schließlich sollen sich die Eltern auch mal einen entspannten Tag gönnen.

 

Über den Tellerrand: Frauen kochen für Frauen

ÜdT-Logo+Wortmarke-CommunitySchwalmtal-farbigEin Gastbeitrag von Susanne Nieberding: Vor einigen Tagen fand unser erstes Kochen von Frauen für Frauen in Schwalmtal-Lüttelforst statt.

Vorausgegangen waren vertrauensbildende Treffen mit allen Beteiligten. Nachdem das Konzept klar war, wir kochen in Lüttelforst nur mit Frauen für Frauen fanden wir eine breite Zustimmung in den Familien.

Dann konnte es losgehen. Noureen aus Pakistan, Raziyeh aus Afghanisten, Iris, Yvonne und Susanne aus Deutschland kochen zusammen.

Wir treffen uns zuerst zum Tee, um alles zu besprechen. Nach etlichen Tassen Chai einigen wir uns auf eine Mischung aus beiden Ländern.

Für uns klingt es spannend, wir verständigen uns auf Deutsch und Englisch, untereinander gibt es in den Sprachen verwandte Worte, so dass da auch noch eine Mischung aus Urdu und Dari gesprochen wurde. Ein wahres „Kauderwelsch“, aber sehr fruchtbar.

Iris und Yvonne holen Noureen und Raziyeh zum Einkaufen ab, die nötigen Zutaten sind sehr schnell eingekauft. Am nächsten Tag geht es los.

Ich hole die Frauen zu Hause ab, mit dem Versprechen sie auch sicher wieder zurück zu bringen.

In der großen Küche von Yvonne nimmt der Abend seinen Anfang.

Wir sind sehr erstaunt wie aus einfachen Zutaten köstliche Gerichte entstehen.

Aus Mehl Wasser und Salz wird ein sehr dünner Teig ausgerollt, dieser wird zu wunderbaren mit Kräutern gefüllten kleinen „Tortellini“ geformt, und gefüllt, in Wasser gekocht, dazu gibt es Bohnen und eine frische Joghurtsoße mit Minze.

DSC01623 DSC01619 DSC01627

Der restliche Teig wird zu sehr flachen Pizzen ausgerollt mit Kräutern gefüllt und in der Pfanne gebacken.

DSC01628 DSC01636 DSC01635

Aus Pakistan gibt es aus Rücksicht auf uns ein nicht zu scharfes Essen, Hühnchen mit Reis und einer Soße aus Peperoni und Knoblauch, diese hat mir beim Mixen schon den Atem genommen, aber es war eben eine sehr milde Zubereitung.

Dazu gab es auch selbst zubereitetes Naambrot.

Sehr lecker.