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ALLE Leben retten. Hilfe auch für die Schwächsten

#LeaveNoOneBehind

*Solidarität mit Geflüchteten* fordert Campact in einer Kampagne und verschickt Gesichtsmasken als äußeres Zeichen der Solidarität mit Geflüchteten. Hier kann man sie – so lange der Vorrat reicht – bestellen. 

Darüber informierten wir gestern per Mail den Asylkreis, indem wir den Newsletter weiterleiteten. Daraufhin schickte uns Achim Schwabe, Verfahrensberater im Asylkreis, seit vielen Jahrzehnten über unsere Landesgrenzen hinaus in der Flüchtlingshilfe tätig und in diesem Jahr nominiert für den Ehrenamtspreis 2020 des Flüchtlingsrates NRW, ein Statement zu diesem unsäglichen Thema Seenotrettung. Der Umgang unserer Regierenden in Europa mit diesem Thema hinterlässt uns alle fassungslos.  Mit seiner Erlaubnis veröffentlichen wir seine Worte.

„Für die Deutschen hat die Bundesregierung alles nur Erdenkliche getan, um uns vor dem COVID-19 Virus zu schützen und gleichzeitig setzt sie enorm viel Energie darein, unseren Wohlstand zu erhalten, was nur unter erheblicher Verschuldung des Staates möglich ist. Wir diskutieren über Gesichtsmasken, obwohl wir damit andere schützen, obwohl uns eigentlich ganz andere Fragen interessieren müssten.
Wir stellen Hilfsbereitschaft und Solidarität zumindest unter den hier Lebenden immer wieder fest.

Das ist die eine Seite!

Flüchtlinge in aller Welt und bei uns sind es anscheinend nicht wert, dass sich die Politik auch für diese einsetzt. Es schreit buchstäblich zum Himmel, dass die Bundesrepublik nach monatelangen Tauziehen sich endlich dazu hat hinreißen lassen, gerade einmal 47 Kinder aus Lesbos aufzunehmen. Soll man da etwa noch applaudieren? In vielen Kommunen besteht die Bereitschaft, die Flüchtlinge von den Inseln aufzunehmen. Das Lager in Lesbos könnte sofort aufgelöst werden. Es ist eine Schande für Europa und für Deutschland, dass man Menschen unter solchen Umständen wie Tiere vegetieren lässt. Zwei Parteien tragen das „C“ für christlich in ihrem Namen, eine Partei das „Soziale“. Das, was dort passiert, ist mit dem christlichen Glauben und einem sozialen Verhalten nicht vereinbar. Aber wir hören aus den Parteikreisen noch nicht einmal einen Aufschrei! Oder sarkastisch ausgedrückt, setzt die Politik die Hoffnung darein, dass sich möglichst viele in den Lagern infizieren und da sie keine Widerstandskraft haben, wie die Fliegen wegsterben? Damit hätten wir ein Problem weniger?

Warum, so frage ich mich auch, werden die zentralen Unterbringungseinrichtungen – egal in wessen Verantwortung Bund, Land oder Kommune – nicht schon längst aufgelöst, um Infektionen zu vermeiden? Viele deutsche Flüchtlingsorganisationen haben schon zu Beginn der Krise dazu aufgefordert. Warum werden die Bewohner nicht in die Kommunen verteilt, weil dort eine Infektion nicht so schnell um sich greifen kann, wie in einem großen Lager, wo es meist auch noch eine zentrale Verpflegung gibt. Wartet die Politik darauf, dass noch mehr Lager wegen Corona abgeriegelt werden müssen in der Hoffnung, dass die Flüchtlinge über miserable Lebensverhältnisse in Deutschland berichten, wobei sie darauf setzt, dass dann weniger Flüchtlinge sich auf den Weg machen?

In was für einem Land leben wir? Ich habe vor mehr als 55 Jahren schon in der Schule gelernt, dass man Demokratie daran erkennt, wie sie mit den Schwächsten in der Gesellschaft umgeht? Viel schlimmer geht es nicht!

Ich habe Angst davor, dass unsere Gesellschaft sich zum Ziel macht: Zuerst und vor allem die Deutschen! Wohin das führt haben wir bereits einmal bitter erleben müssen! Es fängt schon da an, wo unsere Politiker da auf die Menschenrechte pochen, wo es uns nützt, aber sie Ausländern vorenthalten.

Ich schäme mich, welche Welt ich meinen Enkelkindern hinterlasse.“ (Achim Schwabe am 29.04.2020)